Veröffentlicht am 21. Juli 2026
Marktbericht · Stand: Juli 2026 · jährlich aktualisiert
Die Insolvenz- und Zwangsversteigerungszahlen im Rhein-Main-Gebiet erreichen 2025/2026 Höchststände. Dieser Report ordnet die aktuellen Zahlen ein — und trennt dabei bewusst, was sie für Insolvenzverwalter und Banken (B2B) und was sie für Eigentümer vor einer Zwangsversteigerung (B2C) bedeuten. Alle Zahlen stammen aus amtlichen bzw. etablierten Quellen (siehe Quellen).
Das Wichtigste in Kürze
- In Hessen meldeten 2025 rund 2.077 Unternehmen Insolvenz an — +26 % gegenüber 2024 und der höchste Wert seit 20 Jahren.
- Allein in der Stadt Frankfurt waren es rund 491 Unternehmensinsolvenzen, im Landkreis Offenbach 165.
- Bundesweit wurden im 1. Halbjahr 2025 rund 7.240 Immobilien (Verkehrswert 2,23 Mrd. Euro) zur Zwangsversteigerung aufgerufen; in Hessen laufen zu einem beliebigen Zeitpunkt rund 290 Verfahren.
- Der Rhein-Main-Immobilienmarkt ist nach der Korrektur 2022–2024 wieder nachfragestark — oft lässt sich freihändig der Marktwert erzielen, während der Zuschlag in der Versteigerung häufig darunter bleibt.
Insolvenzen: der Treiber hinter dem Angebot
Die Insolvenzdynamik ist der wichtigste Treiber für das Angebot an Immobilien aus Insolvenz. Laut Hessischem Statistischem Landesamt meldeten 2025 in Hessen insgesamt 2.077 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an — ein Anstieg von knapp 26 % gegenüber 2024 (1.655) und der höchste Wert seit 20 Jahren. Am stärksten betroffen war das Baugewerbe (406 Verfahren). Regional konzentriert sich das Geschehen im Rhein-Main-Raum: allein für die Stadt Frankfurt wurden 2025 rund 491 Unternehmensinsolvenzen registriert, gefolgt vom Landkreis Offenbach (165).
Auch Privatpersonen sind zunehmend betroffen: In Hessen wurden 2025 rund 4.950 Verbraucherinsolvenzen gemeldet (+5 %). Bundesweit stiegen die Unternehmensinsolvenzen laut Creditreform im 1. Halbjahr 2026 um 7,8 % auf rund 12.900 Fälle — der höchste Halbjahreswert seit 2013; die Privatinsolvenzen erreichten 2025 mit rund 76.300 Fällen den höchsten Stand seit 2016.
Für die Immobilienverwertung bedeutet das konkret: mehr Massegrundstücke, mehr notleidende Immobilien-Engagements bei Banken und mehr Eigentümer in Notlagen — und damit mehr Objekte, die geordnet verwertet werden müssen.
Zwangsversteigerungen 2025/2026: Volumen und Werte
Parallel steigt die Zahl der Zwangsversteigerungen. Nach Auswertung des Fachverlags Argetra wurden im 1. Halbjahr 2025 bundesweit 7.240 Immobilien mit einem Verkehrswert von 2,23 Mrd. Euro aufgerufen (+4,8 %). Für das Gesamtjahr 2025 rechnete Argetra mit rund 14.500 Objekten (+7,8 % gegenüber 2024: 13.445). Rund 70 % davon sind Wohnimmobilien; Teilungsversteigerungen zur Auflösung von Erben- und Eigentümergemeinschaften machen einen erheblichen Teil aus.
In Hessen sind zu einem beliebigen Zeitpunkt rund 290 Zwangsversteigerungsverfahren anhängig (Momentaufnahme Mitte 2026, öffentliche ZVG-Portale der Amtsgerichte), mit Schwerpunkten im Rhein-Main-Raum. Wichtig für Betroffene: In der Zwangsversteigerung liegt der Zuschlag häufig unter dem Verkehrswert — ein rechtzeitiger freihändiger Verkauf kann dagegen den tatsächlichen Marktwert erzielen.
Rhein-Main im Fokus: nachfragestark trotz Krise
Das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt ist einer der nachfragestärksten Immobilienmärkte Deutschlands. Nach der Preiskorrektur zwischen 2022 und 2024 hat sich der Markt stabilisiert und steigt seit 2025 wieder moderat — getragen von sinkenden Zinsen, knappem Angebot und hoher Nachfrage. Einen Überblick über die aktuellen Immobilienpreise Rhein-Main liefert der Marktpreis-Report unseres Mutterunternehmens GRUNDUM Immobilien.
Diese hohe Nachfrage ist bei der Verwertung ein Vorteil: Sie erhöht die Chance, eine Immobilie freihändig zum Marktwert zu verkaufen, statt in der Versteigerung unter Wert zu geraten. Gleichzeitig spreizt sich der Markt 2026 stärker nach Zustand und Energieeffizienz — Objekte mit Sanierungsstau bieten mehr Verhandlungsspielraum, was gerade bei Notverkäufen eine realistische, marktgerechte Preisfindung wichtig macht.
Was der Markt für die Praxis bedeutet
Für Insolvenzverwalter und Gläubigerbanken (B2B)
Steigende Verfahrenszahlen bedeuten mehr Massegrundstücke, die zügig und marktgerecht zu verwerten sind — oft mit knappen Fristen und der Notwendigkeit eines belastbaren Verkehrswertgutachtens für den Bericht ans Gericht. Gerade im nachfragestarken Rhein-Main-Raum ist der freihändige Verkauf für Verwalter und Banken häufig die wirtschaftlich bessere Option als die Versteigerung, weil er den Marktwert realisiert und die Forderungen besser deckt. Wir übernehmen Vermarktung und Abwicklung; rechtliche und steuerliche Fragen bleiben bei den zuständigen Berufsträgern, auf die wir bei Bedarf hinweisen.
Für Betroffene vor der Zwangsversteigerung (B2C)
Wer eine Zwangsversteigerung fürchtet, hat in der Regel mehr Handlungsspielraum als gedacht — solange früh gehandelt wird. Ein rechtzeitiger freihändiger Verkauf verschafft in den meisten Fällen mehr Zeit und einen höheren Erlös als die Versteigerung, vorbehaltlich der Zustimmung der Gläubiger. Auch bei einem überschuldeten Nachlass oder einer drohenden Teilungsversteigerung lohnt es sich, die freihändige Alternative frühzeitig zu prüfen.
Ausblick
Zwei Faktoren sprechen dafür, dass das Angebot an Immobilien aus Insolvenz und Zwangsversteigerung vorerst weiter zunimmt: die anhaltend hohe Insolvenzdynamik und das auslaufende Ende zehnjähriger Zinsbindungen aus der Niedrigzinsphase, das Anschlussfinanzierungen für viele Eigentümer verteuert. Im nachfragestarken Rhein-Main-Gebiet bleibt der freihändige, diskrete Verkauf dabei das Mittel der Wahl.
Quellen
- Hessisches Statistisches Landesamt – Insolvenzen in Hessen im Jahr 2025
- Creditreform Wirtschaftsforschung – Insolvenzen in Deutschland (2025 / 1. Halbjahr 2026)
- Argetra GmbH – Zwangsversteigerungs-Marktbericht 2025; öffentliche ZVG-Portale der Amtsgerichte (Momentaufnahme Hessen)
Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr. Dieser Marktbericht dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.